Porträt unzensiert – Aus dem Leben von Rena, 34, Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin

Du hast Rena vermutlich auch schon auf unseren Produktbildern gesehen und falls nicht, wird sie dir ab sofort bestimmt auffallen. Als Schwester von Julia, Mitgründerin von clomes.ch, hat sie schon häufiger für uns gemodelt. Produkte aus unserem Sortiment gehören in den Alltag von Rena. So auch bei unserem Treffen: Die Sonnenbrille, der Schlüsselanhänger, wie auch die Halsketten sind aus unserem Sortiment.

Aber beginnen wir von vorne…

Mit neun Jahren wollte Rena nicht mehr zum Kinderballett-Unterricht. Es war ihr schlicht zu langweilig und zu spielerisch. Deshalb wechselte sie zum Jazzunterricht. Ihre Macher-Art bewegte sie dazu ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und so studierte sie zeitgenössischen Tanz in Berlin. Heute ist sie selbstständige Choreografin, Tänzerin und Tanzpädagogin.

Seit 10 Jahren realisiert sie im Berner Rosengarten ihr Herzensprojekt, eine Freilicht-Tanzproduktion. Doch was braucht es um ein solches Projekt auf die Beine zu stellen? Was sind die Hürden? Wie geht Rena mit dem Druck um?

Ich habe Rena und ihre Crew beim Proben im Rosengarten getroffen und sie genau das gefragt.

«Tanz heisst Raum schaffen. Tanzen heisst frei sein – im Körper, im Geist, im Herzen.»

Rena scheint konzentriert und gleichzeitig ziemlich entspannt zu sein. Das ist eine Grundvoraussetzung, um sich als Tänzerin entfalten zu können, sagt sie mir. Es ist jedoch ein langer Lernprozess, um an diesen Punkt zu kommen.

Als selbstständige Tänzerin hat Rena gelernt loszulassen. Sich von Ängsten, Sorgen und von Ungewissem zu lösen. Sie vertraut dem Leben, und dass sich am Schluss jeder Kreis schliesst.

Loszulassen will sie auch ihren Tanzschülern, denen sie mehrmals die Woche Unterricht gibt, mit auf den Weg geben. Das ist ein zentraler Punkt in ihrem Unterricht und eine grosse Herausforderung. Denn nur wer loslassen kann, ist in der Lage, sich dem Tanz voll hinzugeben.

Der eigene Körper ist ein Raum, den man vergrössern muss, um die innere Freiheit zu erlangen, sich frei bewegen zu können.

Seit rund 15 Jahren ist Rena Tanzlehrerin. In dieser Zeit stellte sie fest, dass Menschen verlernt haben, zu scheitern. Als Kind versucht man solange ein Rad zu machen, bis man es schafft. Erwachsene geben schneller auf.

ODE TO SWAN LAKE ?

Die Freilicht-Tanzproduktion im Berner Rosengarten feiert 10-jähriges Jubiläum!

Rena Brandenberger organisiert und choreografiert die Freilicht-Tanzproduktion seit 10 Jahren und ist Gastgeberin für ein breites Publikum im Berner Rosengarten. Dieses Jahr dreht sich nach 2013 zum zweiten Mal alles um das Stück „Swan Lake“. Mit einem ambitionierten Team aus semiprofessionellen und professionellen Tänzern aus der ganzen Schweiz verzaubert sie die Zuschauer mit einer einzigartigen Tanzproduktion. Die malerische Umgebung dient Rena als kreative Projektionsfläche ihrer Ideen. Die bestehende Kulisse mit dem mystischen Seerosenteich ist nicht nur schön zum Anschauen. Sie dient auch als integriertes Bühnenbild. Die Tänzer bewegen sich auf, um und im Brunnen. 

Reserviere hier dein Ticket: „ODE TO SWAN LAKE“:

 9. – 13. Juli 2019

Die erste Probe im Garten – Raus aus der Komfortzone

Die erste Probe im Garten ist zu Beginn noch etwas chaotisch. Die Tänzer*Innen sind sich diesen unebenen Boden nicht gewohnt. Die Betonplatten im Rosengarten und der rutschige Boden im Brunnen sind mit einem Bühnenboden nicht vergleichbar. Die Tänzer müssen sich darauf einstellen und wunde Füssen gehören dazu. Und auch im Wasser tanzen sie nicht täglich. Doch schnell finden sich alle mit der Situation zurecht. Es herrscht eine sehr konzentrierte Stimmung.

«Plötzlich ist mir klar: Egal wie wenig Zeit bleibt, es muss stattfinden»

Normalerweise fängt Rena mit der Planung des Projekts bereits im Herbst des Vorjahres an. Dieses Jahr konnte sie erst im Frühling beginnen. Andere Projekte haben ihr keine Zeit gelassen. Doch im Frühling spürte sie, dass das Rosengartenprojekt auch dieses Jahr stattfinden soll. 

Die Organisation verlangt ihr viel ab. Vieles läuft parallel. Bei der diesjährigen Produktion sind viele Profis aus der ganzen Schweiz dabei, welche einen strengen Zeitplan haben. Zusammen proben ist dadurch fast unmöglich. In der Planung werden also Gruppen gebildet und Kostüme geplant und auf das Cast abgestimmt. Es geschieht sehr viel im Hintergrund.

„Die Kreativität kann durch das ganze Organisieren auch mal blockiert werden.“

Das Organisatorische hat sie gerne selber in der Hand. Nach 10 Jahren weiss sie ganz genau, was funktioniert und welchen Spielraum sie in der Organisation hat. Es gibt keine Diskussionen mehr.

Aber es gab auch Lehrblätze und schwierige Jahre: In einem Jahr, ausgerechnet als Rena vieles abgeben wollte, ist sie mit einem Minus von 15’000 Franken zurück geblieben.

Misstrauisch oder zurückhalteneder ist sie trotzdem nicht geworden. Sie hat ein Urvertrauen, dass sich am Schluss alles fügt. Tänzer müssen das haben, sagt sie mit einem Lächeln. Denn der Weg verläuft nie gerade. Egal wie hart man arbeitet, es wird immer Hürden geben. Es werden immer Fehler passieren.  „Trotz aller Arbeit muss man auch sagen können, so, ich geh jetzt mit Freunden ein Glas Wein trinken“ erklärt mir Rena. Manchmal braucht es ein wenig Abstand um dem ganzen wieder näher zu kommen.

Das Erfolgsrezept: Unterstützung ins Boot holen

Einer der wichtigsten Schritte, ist die Auswahl der Tänzer. Dieses Jahr hat sie bei der Realisierung Unterstützung vom Basler Choreographen und Tänzer Muhammed Kaltuk. Den Druck auf vier Schultern zu verteilen macht es leichter. Gemeinsam zeigen sie sich dieses Jahr für die künstlerische Leitung und Choreographie sowie für die Auswahl des Casts verantwortlich. Künstlerisch ist es extrem inspirierend und für Rena eine willkommene Abwechslung. Man kann argumentieren, sich austauschen und kommt dann zu einem Schluss. Gerade, weil die beiden so gut zusammenarbeiten, sieht sie in der Zusammenarbeit nur Vorteile. Sie fühlt sich vom Druck befreit, kreative Bausteine kann sie auch mal abgeben.

„Wenn man so viel in etwas investiert, ist man selten zufrieden“

Ich bin fasziniert und begeistert von dem ganzen Projekt. Rena freut sich auf jeden Fall über meine Reaktion. Vor allem, weil das Grundsetting bei ihrem Herzensprojekt darauf ausgelegt ist, zu gefallen. Den Menschen Tanz zu zeigen, in einer schönen und authentischen Umgebung. Sie wünscht sich, die Leute „catchen“ zu können und in eine andere Welt zu entführen. Kontroversen sind nicht unerwünscht, aber nicht im Fokus, wie bei anderen Stücken. Es scheint für sie schwierig zu sein, Komplimente anzunehmen. Auf meine Nachfrage hin erklärt sie mir, sie sei selten zufrieden, da sie so viel in das Stück investiert hat. Deshalb kann es auch vorkommen, dass sie sich nach den Vorstellungen einfach nur noch leer fühlt.

„Das Scheitern findet im Kopf statt.“

Denn im Kopf ist sie ständig am Zweifeln und manchmal auch am Scheitern. Als Tänzerin ist man sich das gewohnt. Sie hat manchmal das Gefühl, einem Stück nicht gerecht zu werden.

Es ist wie bei einem Bild. Als Künstler wird man nie fertig. 

Es kommt ihr entgegen, dass die meisten bereits eine Vorstellung von Swan Lake im Kopf haben. Sie kann mit ihrer Inszenierung „Ode to Swan Lake“ darauf aufbauen. Viele Zuschauer haben den Anspruch, das Stück zu verstehen. Ihre Vorahnung gibt ihnen das Gefühl die Inszenierung und die Geschichte dahinter zu verstehen.

Ablehnung ist legitim. Jede Reaktion ist besser als keine Reaktion.

Sie zweifelt, sie scheitert, aber Angst hat sie nie. Nach kurzem Überlegen fügt sie an, dass sie sich schon Gedanken macht und schon ein bisschen „Schiss“ hat, ob wohl genügend Leute kommen werden. Denn die verkauften Billette finanzieren das Projekt.

Die letzten Jahre sind immer zahlreiche Besucher gekommen und die Resonanz war durchwegs positiv. Natürlich muss man aber auch auf kritische Stimmen vorbereitet sein.

Damit umzugehen, dass man nicht nur Zuspruch bekommt, war am Anfang nicht leicht. Rena hat gelernt, damit umzugehen. Sie weiss, dass viele Faktoren zusammenspielen, dass ein Stück auf Zustimmung stösst.

Ein Stück darf aber auch einmal bewusst auf Ablehnung stossen, betont sie. Jede Reaktion ist besser als keine Reaktion. Sie wünscht sich, dass die Menschen nicht mit der Erwartung kommen, nach der Vorstellung sagen zu können, ob das Stück gut oder schlecht war. Eine wertungsfreie Haltung wäre das Optimum. Sich einfach von dem Stück berieseln lassen und sich etwas für sich persönlich rausnehmen. Und schlussendlich das Erlebnis bei einem Glas Wein ausklingen lassen.

Sie freut sich jetzt schon, bei der diesjährigen Vorstellung neue Gesichter zu sehen. Die Leute kommen langsam aus jeder Ecke der Schweiz. Manchmal weiss sie selber nicht, wie sie von ihrer Rosengarten-Freilicht-Tanzproduktion erfahren haben. Wahrscheinlich durch Mund zu Mund Propaganda. Da der Garten frei zugänglich ist, kommen manche Menschen auch aus sicherer Entfernung kurz zuschauen. Nicht selten sitzen diese Personen am nächsten Tag im Publikum.

Herzensprojekte führen auch mal zu neuen Aufträgen

Finanziell ist es ein schwieriges Unterfangen. Das ganze Projekt wird alleine durch den Verkauf der Eintritte finanziert. Zum Glück kommen die Menschen auch bei schlechten Wetter. Halt einfach in Pelerinen. 

Das Projekt muss somit mit einem  minimalen Budget auskommen. Sie kann dabei auch auf die Tänzer zählen. Sie machen aus purem Herzblut mit. Einnahmen, die übrig bleiben, werden aufgeteilt. So hat sie es schon immer gemacht. Die diesjährigen Grundkosten sind so tief, dass sie selber erstaunt ist.

Und oft ergeben sich bei Herzensprojekten bezahlte Aufträge. So kann es auch mal sein, dass nach einer Vorstellung eine grössere Firma anklopft und für einen lukrativen Auftrag anfragt.

Netz an Helfern hat sich aufgebaut

Das Rosengartenprojekt hat ihr viel abverlangt. Es hat ihr aber auch viel gegeben. Wenn sie zurückschaut, sieht sie ein riesiges Netz aus Helfern, die mitverantwortlich sind, dass es auch dieses Jahr zu einer grossartigen Inszenierung kommen wird. Jeder macht und gibt, was er kann und worauf er Lust hat. Es geht um Zeit und um Naturalien. Schon nur der tägliche Auf- und Abbau der Bühne im Wasser braucht Menschen, die mit anpacken.

„Halt ein bisschen Old-School-mässig,“ fügt sie lachend hinzu.

„Nach 10 Jahren fühlt es sich an, als ob sich ein Kreis schliessen würde.“

Sie hatte lange ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Rosengarten-Projekt. Wie es bei fast allem im Leben so ist.

Nach 10 Jahren hat sie sich nun mit dem Projekt versöhnen können. Obwohl sie eine volle Agenda hat, führt sie die Inszenierung auch dieses Jahr durch. Es ist nicht nur zur Feier des Jubiläums. Das Gefühl stimmt auch.

Am Anfang waren es Visionen, die sich nun Schritt für Schritt erfüllt haben. Sie kann nun auf alles zurückgreifen, was sie in den 10 Jahren gelernt hat. Allgemein nicht nur was das Projekt angeht. Sie kann  nun von all dem Mühsamen profitieren.

Das Projekt war ein konstanter Faktor in diesem Lernprozess. Es haben sich auch viele Verbindungen zu Menschen ergeben. Sie durfte unzählige Erfahrungen machen. Sie durfte Höhen erleben und Erfolge feiern. Auch tief fallen, wieder aufstehen und von vorne anfangen. 

„Es ist wie beim Gleitschirm fliegen. Man ist sich dem Risiko bewusst, denkt beim Absprung aber nicht daran.“

In ein paar Tagen starten die Vorstellungen der diesjährigen Inszenierung „Ode to Swan Lake“. Jetzt darüber nachzudenken, wie das Wetter wird, würde nichts bringen. Wenn es an diesem Tag so wäre, kann sie dann anfangen, darüber nachzudenken.

Besser man reagiert, als das man schon im Voraus ständig darüber nachdenkt.

Man merkt, dass Rena am Punkt angelangt ist, an dem sie voll und ganz auf ihr Bauchgefühl vertrauen kann. Ob sie nächstes Jahr wieder eine Aufführung machen wird, weiss sie noch nicht. Ihr Bauchgefühl wird es ihr sagen.

Mich hat Rena inspiriert, mein Ticket ist reserviert. Falls es auch dich interessiert, wie der Rosengarten Teich zur Tanzbühne wird: Tickets kannst du auf der Website von Rena reservieren.

The show must go on!

Jetzt Newsletter anmelden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.