Aus dem Leben von Nora, 24, Gründerin Studio Ōsoi

Nora Z’Brun, Gründerin

Nora ist 24 Jahre alt, lebt in Basel und stammt ursprünglich aus Bern. Im Jahr 2018 gründete sie Studio Ōsoi, ein multidisziplinäres Projekt welches unter anderem nachhaltige Kleidungsstücke herstellt. Ich habe Nora getroffen und mit ihr über die Tücken und den Aufbau eines Labels gesprochen.

 

Studio Ōsoi – multidisziplinäres Projekt um eine nachhaltige Veränderung zu erlangen

Als Nora ein Praktikum als internationale Einkäuferin machte, tauchte sie in die Materie des Konsums ein und hinterfragte das erste Mal unser Konsumverhalten. Wo kommen unsere Kleider her und unter welchen Bedingungen werden sie produziert?

Im Studium beschäftigte sie sich immer mehr mit der Thematik „Fast Fashion“. Studio Ōsoi entstand schlussendlich aber ziemlich spontan. Sie war auf Reisen unterwegs in Bali. Ihre Schwester Anna (Gründerin vom Label les solides) lebte zu diesem Zeitpunkt dort. Und so ergab das Eine das Andere. Durch die Kontakte von Anna hatte sie vor Ort die Möglichkeit in einer Manufaktur einen Jumpsuit herzustellen. Sie startete mit einer Kleinauflage von 20 Stücken, was den Grundstein für ihr Label legte.

Alte Muster durchbrechen und hinterfragen

Inspiriert von der Reise gründete sie Studio Ōsoi, ein Projekt welches verschiedene Dinge vereint. Im Auge von Nora ist das Problem „Fast Fashion“ viel grösser als wir denken. Fair produzierte Kleider sind hier ein guter Anfang. Aber es braucht mehr. Ihr Label umfasst beispielsweise auch das Thema Wohnen, Rauminstallationen und Minimalismus. 

Nora beschäftigt sich in der Zeit der Gründung auch intensiv mit Marie Kondo. Für alle die diesen Namen lesen und nicht wissen von was ich spreche: Marie Kondo ist die Göttin der Ordnung. In ihren Büchern (inzwischen gibt es sogar eine Netflix Serie) gibt sie Hilfestellung beim langfristigen Ordnungschaffen. Und dies auf eine unglaublich einleuchtende und liebevolle Art.

Das Bewusstsein für den Besitz kam so mehr und mehr, und Nora hinterfragt viel von ihrem Besitz. Auch das Bewusstsein für den eigenen Körper spielt eine grosse Rolle. Nora lebt in Basel, dort studierte sie Postindustrial Design / Prozessgestaltung und begann parallel die Ausbildung zur Feldenkrais-Therapeutin. Feldenkrais ist eine ganzheitliche Bewegungsmethode. Moshé Feldenkrais war ein Pionier der Körperarbeit und des somatischen Lernens.

„Nur wenn wir wahrnehmen, was wir wirklich tun, können wir etwas verändern.“ Zitat Moshé Feldenkrais

Im Feldenkrais werden oft bestehende Muster hinterfragt und dem Körper neue Wege gezeigt. Genau an diesem Punkt setzt Nora mit ihrem Label an:

„Es ist nicht nur der Körper und der Geist der manchmal festgefahrene Muster lösen muss. Auch unser Konsum und die Produktionen sollten hinterfragt werden.“

Selbstbild – Vermittelt oder Selbstbestimmt?

Nora beschäftigt sich viel mit dem Thema Selbstbild. „Durch die Vermittlung eines Selbstbildes von der Modeindustrie wird man bis zu einem gewissen Grad immer unzufrieden gehalten, der Konsum steigt und man kauft sich etwas neues um sich selbst zu gefallen. Von diesen Werten wollte ich mich lösen.“

Natürlich drückt man seine Person auch durch die Kleider aus, aber Frauen sind oft auf das Ideal fixiert, worunter auch das Körperbewusstsein leidet. Nora liebt es bequeme Kleider an selbstbewussten, zufriedenen Frauen zu sehen. Noras Kollektion umfasst nicht sehr körperbetonte Schnitte (mit viel Bewegungsfreiraum) und sehr angenehme, natürliche Fasern. Der Wohlfühlcharakter kommt hier auf keinen Fall zu kurz.

Instagram als Sprungbrett für junge Designer

Nora hat bis jetzt alle Stücke selbst verkauft und nicht über Geschäfte / Wiederverkäufer. Instagram war ein wichtiges Sprungbrett für die ersten Verkäufe. Die allerersten 20 Stücken waren bereits über Instagram verkauft, bevor sie überhaupt die Webseite mit dem Online Shop starten konnte. Kleine Unternehmen können von dieser kostenlosen Reichweite profitieren. 

Auch die Mund zu Mund Propaganda hat sehr gut funktioniert. „Wahrscheinlich habe ich gerade einen Nerv der Zeit getroffen mit meinem Jumpsuit. Viele meiner Kunden haben mir rückgemeldet, dass sie oft auf der Strasse angesprochen wurden und so schlussendlich auch viele neue Leute zu meinen Kunden wurden“. 

Slow Fashion

„Ōsoi“ ist von dem japanischen Begriff für langsam abgeleitet. Die Philosophien aus Japan sagen Nora sehr zu. Gerade wie sie mit Ästhetik umgehen, hat Nora beeindruckt. „Die Tatsache das in Japan etwas „unperfektes“ oder abgenutztes den höchsten Wert hat, beeindruckt mich“. Sie möchte aber klar differenzieren: Die Stücke kommen nicht aus Japan und auch Nora ist bis jetzt noch nie in Japan gewesen. 

Studio Ōsoi lässt sich also auch anhand seines Namens klar der „Slow Fashion“ und dem „Slow Living“ zuordnen.

Nora ist es wichtig die Produktionen selbst zu besuchen, sich mit den Menschen auszutauschen und sich von den guten Bedingungen zu überzeugen. Neu produziert Nora in Portugal, näher zur Schweiz und transparenter. Nach stundenlanger Recherche im Internet fand Nora die ersten Anlaufstellen. Die Produktion nach Portugal zu verlegen war für Nora mit vielen Hürden verbunden. Wie jede Gründerin eines jungen Unternehmens kennt sie Rückschläge und Hürden zur Genüge. Doch Aufgeben war für die junge Bernerin nie eine Option.

Aufgrund des Studiums wurde Nora ein externer Coach als Unterstützung für ihr Projekt zur Verfügung gestellt. Nora hatte das Glück sich mit der Gründerin eines etablierten Schweizer Modelabels auszutauschen. Diese Hilfe war unglaublich wertvoll für sie und die Gründerin konnte ihr auch Informationen zu Produktionen in Portugal geben.

Schlussendlich ergab sich das meiste aber dann direkt in Portugal vor Ort und im Austausch mit Einheimischen. Gerade wenn man in kleinen Mengen herstellen möchte ist es sehr schwierig, und wird man meist nur auf Ablehnung treffen. Beim Stoffkauf ist es nicht anders. Eine Rolle Stoff sind meist sehr viele Meter am Stück. Der Stoff wird extra auf Bestellung gewebt / produziert. Nora sucht auch gerne bei überproduzierten Stoffen / überschüssigen Stoffen / Restposten nach Materialien für ihre Kollektion. „Super angenehm zu tragen ist der Stoff aus einem Leinen-Baumwoll-Mischgewebe, welchen ich sehr oft einsetze. Er verbindet die besten Eigenschaften aus Leinen und der Baumwolle zusammen.“

Autodidaktin

Nora zeichnet die Skizzen und entwickelt die Designs anschliessend mit einer Schnittmusterentwicklerin / Schneiderin zusammen. Gelernt hat sie das Designen in dem Sinn nicht. Sie hat sich alles autodidaktisch beigebracht. In ihrem Studium „Postindustrial Design / Prozessgestaltung“ lernte sie aber natürlich viel, von dem sie für den Aufbau ihres Labels profitieren konnte.

Die Skizze rechts ist von der Schneiderin Liana Stojanov in Zusammenarbeit mit Nora enstanden. Sie zeigt die Entstehung eines Stückes aus der Kollektion von Studio Ōsoi.

 

Saisonunabhängige Kleider als Chance für Kunde und Geschäft

Nora produziert so gut wie möglich saisonunabhänige Kleider, welche zeitlos und ganzjährig gut getragen werden können. Damit will sie auch wieder das Konsumverhalten nachhaltig verändern. Eine Chance sieht sie auch darin, dass die Stücke nicht zu reduzierten Preisen verkauft werden müssen. So kann das Stück das ganze Jahr über zu einem sehr fairen und vertretbaren Preis angeboten werden ohne übertrieben hohe Margen einzukalkulieren.

„Ich hoffe das mit dem geschaffenen Bewusstsein bei den Menschen, der Trend immer mehr in die nachhaltige Richtung geht. Je mehr kleine Labels ihre Arbeit gut machen und sich gegenseitig Unterstützen, desto grösser wird die Chance mit vereinten Kräften endlich etwas auszurichten gegen die grossen Konzerne. Dies ist mir ein sehr grosses Anliegen.“

Inspiration im Alltag

Wo findet Nora Inspiration für ihr kreatives Schaffen?

„Meistens gehe ich davon aus, was ich selbst gerne hätte und in was ich mich wohl fühle. Von dort aus entwickle ich dann die Kollektionen. Inspiration findet natürlich tagtäglich und überall (vor allem unterbewusst) im Alltag statt“.

Auch Künstler wie Henri Matisse inspirieren Nora in ihrem Schaffen. Und in Ausstellungen wird Nora allgemein immer mit einer gebalten Ladung Inspiration überschüttet.

In der neuen Kollektion ist der rote Faden die Wandelbarkeit. Und so konnte Nora für die neue Kollektion nicht einfach zeichnen sondern musste zuerst die Stoffe sehen und schauen wie man die Designs auf verschiedene Art und Weisen tragbar machen kann. Darunter beispielsweise ein Wickeltop, dass am Rücken oder vorne gebunden werden kann. Es kann ganz unterschiedlich gebunden werden und wirkt je nach Kombination mal elegant mal sportlich. Hier ein kleiner Einblick in die neue Kollektion.

Planung mit der Agenda von Marjolein Delhaas

„Meine Agenda ist mein Anker im Alltag und muss immer dabei sein!“ erzählt uns Nora im Gespräch. Sie legt grossen Wert darauf die Agenda analog zu führen.

„Seit Jahren lebe und plane ich mit der Agenda von Marjolein Delhaas von clomes.ch. Neu mache ich darin sogar Skizzen und Notizen für Studio Ōsoi.“

Die kleine handliche Grösse (A6) und das leichte Gewicht überzeugten Nora sofort. Die übersichtliche Darstellung und das schöne Design sind natürlich auch wichtige Aspekte.

„Ich wünschte ich hätte immer das Notizbuch dabei, aber ich vergesse es fast immer. Dank den grösszügigen leeren Seiten hinten in der Agenda habe ich es nun trotzdem immer dabei und ich fülle die Seiten mit Ideen, Inspirationen und Skizzen über das Jahr hinweg.“

Die neue Kollektion für das Jahr 2020 von Marjolein Delhaas findest du bei uns im Shop.

Ausblick – neu auch physisch in Bern erhältlich

Nun geht es darum das Label Studio Ōsoi zu etablieren. Nicht mehr nur der Online Shop soll als Vertriebskanal genutzt werden, denn die Nachfrage zum Probieren in Läden ist gross. Ab dem 18. Oktober kannst du die vollständige Kollektion von Nora beispielsweise bei Clémentine in der Berner Altstadt probieren. Nora selbst ist manchmal auch vor Ort und du kannst dich mit ihr austauschen. Des weiteren findest du neu auch das Label les solides von Noras Schwester Anna (umfasst u.a. Schmuck und Ledertaschen) bei Clémentine sowie die handgenähten Halstücher und Foulards „Textiles Heidi Schumacher“ von ihrer Mama. Die weibliche Z’Brun-Fraktion zieht am 18. Oktober 2019 bei Karin & Karin in die Postgasse ins Lokal von Clémentine ein.

Das Ziel von Nora ist es nun in weiteren Schweizer Städten passende Läden zu finden, damit die Kleidungsstücke auch in Echt angeschaut werden können. Wir wünschen ihr mit dem Label nur das Beste und beenden es mit den Worten von Moshé Feldenkrais:

„Das Unmögliche möglich machen, das Mögliche leicht und das Leichte elegant“.

Du willst noch mehr zu Nora und dem Projekt erfahren? Auf der Webseite von Studio Ōsoi wirst du fündig.

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